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OEKO-TEX STANDARD 100: Kriterien, Grenzwerte und Regeln 2026
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Autor: TRTex Redaktion
Veröffentlicht: 23. Juli 2026 · Zuletzt geprüft: 28. September 2026 · ⏱️ 3 Min. Lesezeit
Grundlegende Kriterien und Prüfumfang
OEKO-TEX STANDARD 100 ist ein weltweites Kennzeichen, das die Prüfung von Textilerzeugnissen auf Schadstoffe bescheinigt [1]. Das System erfasst alle Fertigungsstufen vom Garn bis zum Endartikel und verlangt, dass sämtliche Bestandteile wie Nähfäden, Knöpfe, Futterstoffe und Reissverschlüsse separat geprüft werden [1, 4]. Zur Erlangung des Zertifikats müssen Laboranalysen belegen, dass jeder Schadstoffwert unterhalb festgelegter Grenzwerte bleibt [4]. Die Prüfung basiert auf einem Kriterienkatalog mit mehr als 1.000 Einzelsubstanzen [1]. Parameter und Grenzwerte werden mindestens einmal jährlich überprüft [1].
Im Regelwerk für 2026 erfolgten wesentliche Anpassungen im Grenzwertkatalog [2, 3]. Die Bestimmungen traten nach einer 3-monatigen Übergangszeit am 1. Juni 2026 verbindlich in Kraft [2]. Für Bisphenol B, F, S und AF wurde der Grenzwert auf 200 mg/kg herabgesetzt, für p-Anisidin eine Obergrenze von 20 mg/kg eingeführt [3]. Bei Arylaminen aus Azofarbstoffen gilt ein Grenzwert von 20 mg/kg je Einzelamin [5].
Vier Produktklassen und chemische Schwellenwerte
Der STANDARD 100 gliedert Textilien nach Verwendungszweck und Hautkontaktintensität in vier Klassen [4, 6]:
- Klasse I: Umfasst Textilien für Babys und Kleinkinder bis zu 3 Jahren [6]. Formaldehyd darf nach Japanese Law 112 nicht nachweisbar sein und muss unter 16 mg/kg liegen [5].
- Klasse II: Bezieht sich auf Textilien mit direktem und flächigem Hautkontakt wie Bekleidung und Bettwäsche [4]. Die Obergrenze für freies Formaldehyd beträgt 75 mg/kg [5].
- Klasse III: Erfasst Erzeugnisse ohne direkten Hautkontakt [4].
- Klasse IV: Beinhaltet Ausstattungstextilien wie Tischdecken, Wandbekleidungen, Möbelstoffe und Vorhänge [4]. Für Weichmacher (Phthalate) liegt der Summengrenzwert in Klasse I, II und III bei 500 mg/kg, während für Klasse IV 1000 mg/kg gelten [5].
Der zulässige pH-Bereich liegt in den Klassen I und II bei 4.0–7.5, in den Klassen III und IV bei 4.0–9.0 [5]. Bromierte Flammschutzmittel sind auf 10 mg/kg je Substanz und maximal 50 mg/kg in Summe begrenzt [5]. Die Wasserechtheit muss in Klasse I die Note 3-4, in den übrigen Klassen mindestens 3 erreichen [5].
Zertifizierungsablauf, Audits und Konformität
Zertifizierungsanträge werden mit repräsentativen Prüfmustern bei einem zugelassenen OEKO-TEX Institut eingereicht [4]. Die Erstzertifizierung erfordert ein Vor-Ort-Audit (On-Site Visit) im Betrieb [4]. Zertifizierte Unternehmen werden mindestens alle drei Jahre vor Ort überprüft, ergänzt durch unangekündigte Stichprobenprüfungen [4].
Das STANDARD 100 Zertifikat besitzt eine Gültigkeit von 1 Jahr [6]. Hersteller können vor Ablauf der Frist eine Verlängerung für Zertifikat und Labelnutzung beantragen [4]. Das System stellt kein Gütesiegel dar, sondern eine freiwillige Bescheinigung der Einhaltung definierter Grenzwerte [4]. Zugleich unterstützt es Hersteller beim Nachweis der Konformität mit Anhang XVII und XIV der EU-REACH-Verordnung, dem CPSIA und der ECHA-SVHC-Kandidatenliste [1].
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